Werden hybride Energieprojekte bald Pflicht?
Die EEG-Neuregelung zur Überbauung von Netzanschlüssen von Januar 2025, die vierfach überzeichnete Innovationsausschreibung von September 2025, die PV Magazine-Ausgabe „Co-location & Hybrid-PPAs“ von Februar 2026, oder die Bewertungsmethodik der Reifegradverfahren der Übertragungsnetzbetreiber von April 2026 – es wirkt als fokussiert sich die Branche zunehmend auf hybride Energieprojekte.

Die EEG-Neuregelung zur Überbauung von Netzanschlüssen von Januar 2025, die vierfach überzeichnete Innovationsausschreibung von September 2025, die PV Magazine-Ausgabe „Co-location & Hybrid-PPAs“ von Februar 2026, oder die Bewertungsmethodik der Reifegradverfahren der Übertragungsnetzbetreiber von April 2026 – es wirkt als fokussiert sich die Branche zunehmend auf hybride Energieprojekte.
Was versteht man unter Hybridisierung?
Ein hybrides Projekt im Stromsektor kombiniert mindestens zwei Erzeugungs-, Speicher- oder Bezugstechnologien an einem gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt (NVP), zum Beispiel:
- Solar + Wind: Die unterschiedlichen Erzeugungsprofile von Solar und Wind ergänzen sich.
- Solar + Wind + Speicher: Der Speicher verschiebt die Spitzenerzeugung von Solar oder Wind in erlösstärkere Zeiträume.
- Rechenzentrum + Speicher: Der Speicher puffert Hochlaststunden und ermöglicht so ein kontinuierliches Lastprofil.
- Solar + Wind + Rechenzentrum + Speicher: Der Speicher gleicht Unterschiede in Erzeugung und Last aus.
Rechtlich ermöglicht wird die gemeinsame Netzanbindung durch § 8a EEG 2023 („CablePooling“), der seit Februar 2025 in Kraft ist: Mehrere Anlagen können einen bereits genutzten NVP gemeinsam belegen – auch mit einer Gesamtleistung, die dessen Kapazität überschreitet. (siehe dvlp Blog-Beitrag)
Was sind die wesentlichen Vorteile hybrider Projekte?
- Kleinere, besser ausgelastete Netzanschlüsse: Netzanschlüsse sind der Flaschenhals für neue Energieprojekte und oft die teuerste Komponente. Ein Solar- oder Windpark speist im Schnitt jedoch nur wenige Stunden täglichauf voller Leistung ein. Ein gemeinsam genutzter NVP erhöht die Auslastung des Anschlusses erheblich – ohne proportional höhere Anschlusskosten. Die Kombination von Erzeugungs- mit Speicher- und/oder Bezugsanlage kann die nötige Netzanschlusskapazität im Vergleich zu Einzelanlagen sogar deutlich reduzieren und somit Projektkosten senken. Das ist ein Grund, warum in den kürzlich gestarteten Reifegradverfahren für NVPs auf der Übertragungsebene Hybridisierung 10-20% der Gesamtpunktzahl ausmacht.
- Stabilere, höhere Erlöse: Eine gleichmäßige Überbauung von Wind und Solar auf bis zu 150 % (z.B. 75 MW Solar, 75 MW Wind,100 MW NVP) führt zu keinen nennenswerten Erlöseinbußen gegenüber Einzelanlagen. Ebenso die bis zu 125 % Überbauung von Solarparks mit Speichern (z.B. 100 MW Solar, 25 MW Speicher, 100 MW NVP). Vielmehr verschieben Speicher v.a. die Erzeugungvon Solarparks in erlösstärkere Stunden und erbringen parallel Systemdienstleistungen (z.B. Regelenergie), was Einkommensströme erhöht und diversifiziert. Die Kombination aus Wind und Solar ergibt zusammen ebenfalls ein deutlich gleichmäßigeres Jahres- und Tagesprofil – was sowohl bei Power Purchase Agreements (PPAs) als auch im Spotmarkthandel zu höheren und stabileren Erlösen führen kann.
Könnte Hybridisierung bald zur Pflicht werden?
Eine normative Forderung dafür gibt es bislang nicht. Es sind vielmehr die Optimierung schwer verfügbarer NVPs und die Erlös-Steigerung und -Diversifizierung unter schwieriger werdenden wirtschaftlichen Bedingungen, die Hybridisierung de facto vorantreiben. Kurz gesagt: Es macht netztechnisch und wirtschaftlich Sinn! Man könnte also argumentieren, dass mit immer knapper werdenden NVPs und zunehmender Kannibalisierung von Erneuerbaren, hybride Projekte nicht regulatorisch, sondern wirtschaftlich Pflicht werden.
Wie plane ich ein hybrides Projekt?
1. Potenziale erkennen: Um zu verstehen, wie ausgelastet mögliche NVPs sind und welche Technologie-Kombinationen verfügbare Kapazitäten optimal ausnutzen, muss die stündliche Auslastung dieser NVPs modelliert werden. So zeigt das dvlp web-GIS die stündliche Auslastung aller Umspannwerke in Deutschland basierend auf den bereitsangeschlossenen Anlagen und deren stündlichen Erzeugungsprofilen – über das gesamte Jahr. Das kann als Grundlage dienen, um hybride Projekte optimal zu konfigurieren und/oder auch flexible Anschlussvereinbarungen proaktiv vorzuschlagen.

2. Projekt planen: Um zu verstehen, welche Flächen geeignet sind und wieviel Platz/Kapazität für jede Technologie zur Verfügung steht, muss eine detaillierte Restriktionsanalyse im Umkreis des NVP durchgeführt werden. Dazu enthält das dvlp web-GIS alle relevanten Daten und die Option eine Restriktionsanalyse automatisiert durchzuführen. Neuerdings können hybride Energieprojekt auch in 3D visualisiert werden, um das Projekt auch für Flächeneigentümer und Gemeinderäte greifbar zu machen.

3. Partner finden: In der Realität werden hybride Projekte nicht immer aus einer Hand geplant, da sich die notwendige Expertise und Dauer für die Entwicklung von Solar-/Wind-/Batterieparks oder Rechenzentren unterscheiden. Um zu erkennen, ob eine Zusammenarbeit mit Partnern möglich ist, muss man wissen, ob anderen Entwickler unweit des eigenen Projekts aktiv sind. Dies ermöglicht die GridConnect-Funktion im dvlp web-GIS, mit der im Nachgang auch gezielt der Kontakt zu den möglichen Partner-Entwicklern aufgenommen werden kann.

Somit steht der Entwicklung hybrider Energieprojekte nichts mehr im Weg!


